
Giulias Verschwinden - von D. Oßwald
Filmstart: 4.2.
Regie: Christoph Schaub;
Darsteller: Corinna Harfouch, Bruno Ganz, Stefan Kurt, André Jung, Sunnyi Melles u.a.
Nach „Lila, Lila" folgt nun die nächste Verfilmung von Martin Suter, diesmal schrieb der Schweizer Erfolgsautor das Drehbuch gleich selbst. Im Zentrum steht Giulia (Corinna Harfouch), die zum 50sten Geburtstag von ihren Freunden in ein Nobelrestaurant eingeladen wird. Wie der Titel verrät, wird die Jubilarin bei der Feier fehlen. Sie vergnügt sich lieber mit dem alten Charmeur John (Ex-Hitler Bruno Ganz), der die lebenskriselnde Dame mit reichlich Komplimenten und Champagner in einer Hotelbar gekonnt aufmuntert. Derweil steigen bei der Festgesellschaft Stimmung und Promille. Man flirtet, stichelt und plaudert über Falten, Alter und den Sinn des Lebens. Parallel dazu wird im Altersheim der Geburtstag einer garstigen Greisin gefeiert. Und zwei Teenager werden beim Ladendiebstahl erwischt.
Die verschiedenen Episoden wirken wie willkürlich aneinander geklebt, was der Dramaturgie sichtlich schadet. Ähnlich glanzlos bleiben die Figuren, ein Kabinett wie aus dem Klischeebaukasten, dessen Midlife-Krisen-Geplapper sichtlich bemüht auf Bonmots und Pointen schielt - und doch kaum mehr bietet als die übliche Farce vom SAT1-Fließband, Tortenschlacht (!) inklusive. Sprüche wie „50 ist das neue 40" klangen schon damals bei Michelle Pfeiffer reichlich altbacken. Noch grenzwertiger wirken eitel selbstgefällige Dialog-Späßchen wie „Wer ist dieser Martin Suter?". Außer sehr viel Geschwafel denkbar unsympathischer Figuren am Restaurant-Tisch, dargeboten im Bauerntheater-Stil, bleibt wenig übrig. So eine TV-Guilia kann im Kino gern schnell verschwinden.
Dieter Oßwald
Stand: 26.1.2010